Petra Merki - Live von der Expo Shanghai
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November - Dezember 2010
Die Expo ist vorbei, doch Petra Merki reiste bis Ende 2010 weiter. Klicken Sie bitte auf diesen Link, wenn Sie an den spannenden Erlebnissen von ihr teilhaben möchten. Viel Spass!
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29.10.2010 Gelber Berg
Am Montag Abend stiegen wir in Shanghai in den Nachtzug nach Tunxi, von wo es weiter zum gelben Berg ging. Der gelbe Berg gilt als der schönste Berg Chinas und er ist auch für uns Berg gewandte Schweizer durchaus beeindruckend. Vier Wunder seien bezeichnend für den gelben Berg, die speziell geformten Berge, die bizarren Pinien, das Nebelmeer und die heissen Quellen, erklärte unsere Reiseleiterin.
Von den Bergen sahen wir leider von der Gondel nicht viel, da wir uns mitten im Nebel befanden. Da zusätzlich noch ein starker, kalter Wind ging, hatten wir aber das besondere Vergnügen von Raureif weiss gezuckerte Pinien zu bewundern. Nachdem wir in unserem Hotel auf dem Berg zu Mittag gegessen hatten, verkrochen wir uns im Bett, da trotz Temperaturen von unter 10 Grad nirgends geheizt wurde. Südlich des Yangtse Flusses (Shanghai) werden noch heute grundsätzlich keine Heizungen eingebaut, sodass man im Winter auch drinnen mit Jacke rumlaufen muss.
Am Nachmittag wanderten wir dann für gut zwei Stunden durch die mystisch nebelverhangene Landschaft. Die grosse Überraschung gab es am nächsten Morgen, als der Himmel strahlend Blau war und die gesamte Berglandschaft in einem gänzlich andern Licht erschien. Gegen Mittag ging unser Aufenthalt in den Bergen aber bereits zu Ende, Wehmut kam aber keine auf, denn erneut zog Nebel auf.
Entlang von Teefeldern ging es nach Tunxi, das Zentrum der eher armen, ländlichen Region. In Tunxi durften wir verschiedene lokale Tees kosten, einen gar, den man ausserhalb der Region kaum kaufen kann und der so kostbar ist, dass der chinesische Präsident ihn Putin bei einem Staatsbesuch geschenkt hat. Geschmacklich ist er zwar aussergewöhnlich und hat speziell grosse Blätter, er hat mir aber nicht besonders geschmeckt.
Am nächsten Tag besuchten wir zwei alte Dörfer, welche von vergangenem Reichtum der Region erzählen. Die Region war berühmt für ihre Händler, aber auch für die guten Schüler, die an der nationalen Beamtenprüfung regelmässig mit Bestnoten abschlossen. Davon erzählte auch die Show zur Kunst Huizhous, welche wir Abends noch besuchten, da unser Flugzeug erst Abends spät zurück nach Shanghai ging, nach Hause.
22.10.2010 Hangzhou
上有天堂下有苏杭 „Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou“, so ein chinesisches Sprichwort. Suzhou und Hangzhou liegen beide gut eine Stunde Zugfahrt ausserhalb von Shanghai und bieten sich für einen Tagesausflug an.
Heute hatte ich mit meinen Eltern Hangzhou, die Hauptstadt der Provinz Zhejiang, mit ihren gut 6 Millionen Einwohnern, als Ziel. Der Westsee, von drei Seiten von Hügeln begrenzt, bildet die Hauptattraktion der Stadt. Er hat zahlreiche chinesische Künstler inspiriert und über die Jahrhunderte sind an den Ufern zahlreiche Parkanlagen, Tempel und Pagoden entstanden.
Anstatt dem See entlang alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern, haben wir uns für eine Fahrradtour in die umliegenden Hügel entschieden. Dort wird unter anderem einer der berühmtesten Tees Chinas angebaut (Dragon Well Tee). Obwohl wir nahe der Grossstadt waren und uns zumeist auf gut befahrenen Strassen befanden, fühlte ich mich zum ersten Mal in China wieder von der Natur umgeben. Wir fuhren durch Wälder, manchmal unterbrochen durch Teefelder und die Luft war frisch. Unglücklicherweise waren unsere Fahrräder mangels Gangschaltung für die hügelige Strecke nicht geeignet, aber die Anstrengung war es definitiv wert.
Nach einem Wochenende in Shanghai steht ein weiterer Trip an, dann geht es für mehrere Tage zum gelben Berg, einem der berühmtesten Berge Chinas. Den Endspurt an der Expo werde ich dabei zwar verpassen, aber beim Abschluss am 31. Oktober bin ich wieder dabei.
15.10.2010 Ein paar Zahlen zur Expo
Die Expo dauert nun bereits 168 Tage und nur noch wenige werden folgen. Bisher haben fast 63 Millionen Leute die Expo besucht, was etwa der Bevölkerung Frankreichs entsprechen würde. Trotz dieser immensen Zahl, wird das Ziel von 70 Millionen Besuchern wahrscheinlich knapp verfehlt.
Das durchschnittliche Besucheraufkommen pro Tag liegt bei 377'000 Personen, was in etwa der Einwohnerzahl des Kantons Luzern entspricht. Der bisher Besucherreichste Tag war der 23. September, an dem mehr als 630'000 Besucher gezählt wurden, was gar die Einwohnerzahl des Kantons Aargau übertrifft.
Wirklich erstaunlich wird das ganze, wenn man dazu noch die Fläche betrachtet. Der mit Ticket zugängliche Teil des Expogeländes hat eine Grösse von 3.28 km2, was etwa der Fläche Hunzenschwils entspricht. Täglich drängen sich auf der Expo somit 114'941 Personen pro Quadratkilometer oder anders ausgedrückt, hat jeder Besucher des Expogeländes 8.7 m2 zur Verfügung.
Die Rechnung stimmt leider nicht ganz, da bei den 3.28 km2 ja auch verbaute Flächen miteingerechnet sind. Zusätzlich lässt sich an der Expo sehr gut beobachten, dass Menschen Herdentiere sind und an einem unbekannten Ort dorthin gehen, wo die meisten Leute sind, da es dort ja was aussergewöhnliches geben muss. drängen sich zwischen dem Schweizer, dem deutschen und dem französischen Pavillon tagtäglich so viele Leute, dass man kaum mehr als 1 m2 Platz zur Verfügung hat, während man im Park gleich hinter dem Schweizer Pavillon minutenlang keinem begegnen kann. (Quellen: www.wikipedia.de, en.expo2010.cn)
08.10.2010 Abwechslung bei der Arbeit
Wie immer machten wir uns am 5. Novembers mit dem Taxi auf zur Frühschicht, wechselten an der Station Madanglu auf die Expo eigene U-Bahn und fuhren ins Gelände. Dann aber trennte ich mich von meinen Kollegen und ging ein Haus weiter in den deutschen Pavillon, wo ich von allen sehr herzlich empfangen wurde. Im Rahmen eines Austauschs, durfte ich dort einen Tag als Hostesse arbeiten. Sofort fiel mir auf, dass alles eine Nummer grösser ist als im Schweizer Pavillon. Während sich in unserer Umkleide kaum mehr als zwei Leute gleichzeitig aufhalten können, glich jene im deutschen Pavillon einer Turnhallenumkleide und spätestens beim Briefing wurde auch klar wieso: In einer einzigen Schicht arbeiten bereits mehr Hostessen als wir überhaupt Guides haben.
Ich wurde den ganzen Tag von einem Guide begleitet und konnte mir alle Positionen anschauen. Im deutschen Pavillon gibt es viele Stationen, wo die Besucher selbst tätig werden müssen, ein spezielles Abwasserprojekt in Berlin kann mittels einem Spiel entdeckt werden, die Entwicklung der Grünflächen in Köln lässt sich mittels Handbewegung erforschen, auf einer Rutsche können sich die Kinder austoben und an einem andern Ort kann man deutsche Lieder zum besten Geben. Überall erklärt ein Guide wie vorgegangen werden muss und achtet darauf, dass es zu keinem Durcheinander kommt, weil alle gleichzeitig mitmachen wollen. Der Pavillon ist zwar grösser und es gibt viel mehr Stationen, die Arbeit unterscheidet sich aber nur unwesentlich von unserer. Sowohl im deutschen Pavillon, wie auch im Schweizer Pavillon geht es hauptsächlich darum den Besucherstrom zu überwachen und zu erklären, was der Besucher machen kann. Während es im Schweizer Pavillon zu den Aufgaben der Guides gehört, im Shop zu verkaufen, ist der Shop im deutschen Pavillon dem Restaurant angegliedert.
Die Arbeit ging, wie bei uns auch, mit einem Debriefing zu Ende. Danach schloss ich mich einer Gruppe Deutscher an, die im Expo Cultural Center Schlittschuhlaufen gingen. Das Eisfeld befindet sich im Untergeschoss eines Einkaufszentrums und war vergleichsweise spärlich bevölkert.
Es war eine super Erfahrung einmal in einem andern Pavillon zu arbeiten. Ich habe viele neue Leute kennengelernt und es hat mir total Spass gemacht.
01.10.2010 Mondfest und chinesischer Nationalfeiertag
Im Herbst finden gleich zwei Wichtige Feste in China statt. Während das Mondfestival eine Jahrhundertealte Tradition hat, feiert man am Nationalfeiertag die Gründung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949.
Das Mondfest findet immer am 15. Tag des achten Mondes (chinesischer Kalender) statt, dieses Jahr war dies der 22. September. Es ist der Tag, an dem sich der Mond in der grössten Entfernung zur Erde befindet. Im alten China hat der Kaiser im Frühling die Sonne angebetet und im Herbst den Mond. Dieser Brauch scheint dann auf die Bevölkerung übergeschwappt zu sein. Vor wenigen Jahren wurde das Mondfest zu einem offiziellen Feiertag ernannt, so dass nun die meisten Chinesen einen Tag frei haben. An diesem Tag treffen sie Familienangehörige und der angeblich besonders runde Mond wird betrachtet. Wie immer in China spielt das Essen auch beim Mondfest eine zentrale Rolle. Man verschenkt an alle Verwandten, Bekannten und Geschäftspartner Mondkuchen. Diese sind knapp Handtellergross, kreisrund und gefüllt mit einer sehr mastigen Paste, je nach Ausführung in ganz unterschiedlicher Geschmacksrichtung: rote Bohnen, Mandeln, Kaffee, ... Der einzelne Kuchen kostet zwischen 1 und 2 Franken, ist aber nur Nebensache. Wichtig ist es eine möglichst aussergewöhnliche Box auszuwählen. Mit der Box kosten dann vier Mondkuchen schnell mal 30 Franken, oder auch viel mehr. Da jede Familie so viele Mondkuchen bekommt, dass sie diese schwer alle selbst essen kann, werden die Boxen bis zum Mondfest munter weiterverschenkt. Danach landen wohl viele Mondkuchen ungeöffnet im Abfall, denn der Geschmack sagt vielen Leuten nicht zu. Sie wollen daher nicht bis zum Ende des Jahres Mondkuchen verspeisen.
Heute nun beginnen die Ferien zum Nationalfeiertag. Sie dauern sieben Tage, wobei die Chinesen aber im Voraus ein Wochenende arbeiten mussten, sodass es nur drei volle Ferientage sind. Da der Nationalfeiertag weder mit Familientreffen noch speziellen Traditionen verbunden ist, nutzen ihn die meisten Chinesen um ihr eigenes Land zu erkunden. So befinden sich zu dieser Zeit Millionen von Chinesen auf Reisen. Für uns an der Expo bedeutet dies natürlich sieben Tage Hochbetrieb. Westlichen Touristen wird geraten zu dieser Zeit China zu meiden, oder zumindest nicht zu reisen.

