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Petra Merki - Live von der Expo Shanghai


November - Dezember 2010

Die Expo ist vorbei, doch Petra Merki reiste bis Ende 2010 weiter. Klicken Sie bitte auf diesen Link, wenn Sie an den spannenden Erlebnissen von ihr teilhaben möchten. Viel Spass!

Haben Sie Fragen an Petra Merki? Für die Kontaktaufnahme klicken Sie bitte hier.


29.10.2010 Gelber Berg

Am Montag Abend stiegen wir in Shanghai in den Nachtzug nach Tunxi, von wo es weiter zum gelben Berg ging. Der gelbe Berg gilt als der schönste Berg Chinas und er ist auch für uns Berg gewandte Schweizer durchaus beeindruckend. Vier Wunder seien bezeichnend für den gelben Berg, die speziell geformten Berge, die bizarren Pinien, das Nebelmeer und die heissen Quellen, erklärte unsere Reiseleiterin.

Von den Bergen sahen wir leider von der Gondel nicht viel, da wir uns mitten im Nebel befanden. Da zusätzlich noch ein starker, kalter Wind ging, hatten wir aber das besondere Vergnügen von Raureif weiss gezuckerte Pinien zu bewundern. Nachdem wir in unserem Hotel auf dem Berg zu Mittag gegessen hatten, verkrochen wir uns im Bett, da trotz Temperaturen von unter 10 Grad nirgends geheizt wurde. Südlich des Yangtse Flusses (Shanghai) werden noch heute grundsätzlich keine Heizungen eingebaut, sodass man im Winter auch drinnen mit Jacke rumlaufen muss.

Am Nachmittag wanderten wir dann für gut zwei Stunden durch die mystisch nebelverhangene Landschaft. Die grosse Überraschung gab es am nächsten Morgen, als der Himmel strahlend Blau war und die gesamte Berglandschaft in einem gänzlich andern Licht erschien. Gegen Mittag ging unser Aufenthalt in den Bergen aber bereits zu Ende, Wehmut kam aber keine auf, denn erneut zog Nebel auf.

Entlang von Teefeldern ging es nach Tunxi, das Zentrum der eher armen, ländlichen Region. In Tunxi durften wir verschiedene lokale Tees kosten, einen gar, den man ausserhalb der Region kaum kaufen kann und der so kostbar ist, dass der chinesische Präsident ihn Putin bei einem Staatsbesuch geschenkt hat. Geschmacklich ist er zwar aussergewöhnlich und hat speziell grosse Blätter, er hat mir aber nicht besonders geschmeckt.

Am nächsten Tag besuchten wir zwei alte Dörfer, welche von vergangenem Reichtum der Region erzählen. Die Region war berühmt für ihre Händler, aber auch für die guten Schüler, die an der nationalen Beamtenprüfung regelmässig mit Bestnoten abschlossen. Davon erzählte auch die Show zur Kunst Huizhous, welche wir Abends noch besuchten, da unser Flugzeug erst Abends spät zurück nach Shanghai ging, nach Hause.


22.10.2010 Hangzhou

上有天堂下有苏杭 „Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou“, so ein chinesisches Sprichwort. Suzhou und Hangzhou liegen beide gut eine Stunde Zugfahrt ausserhalb von Shanghai und bieten sich für einen Tagesausflug an.

Heute hatte ich mit meinen Eltern Hangzhou, die Hauptstadt der Provinz Zhejiang, mit ihren gut 6 Millionen Einwohnern, als Ziel. Der Westsee, von drei Seiten von Hügeln begrenzt, bildet die Hauptattraktion der Stadt. Er hat zahlreiche chinesische Künstler inspiriert und über die Jahrhunderte sind an den Ufern zahlreiche Parkanlagen, Tempel und Pagoden entstanden.

Anstatt dem See entlang alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern, haben wir uns für eine Fahrradtour in die umliegenden Hügel entschieden. Dort wird unter anderem einer der berühmtesten Tees Chinas angebaut (Dragon Well Tee). Obwohl wir nahe der Grossstadt waren und uns zumeist auf gut befahrenen Strassen befanden, fühlte ich mich zum ersten Mal in China wieder von der Natur umgeben. Wir fuhren durch Wälder, manchmal unterbrochen durch Teefelder und die Luft war frisch. Unglücklicherweise waren unsere Fahrräder mangels Gangschaltung für die hügelige Strecke nicht geeignet, aber die Anstrengung war es definitiv wert.

Nach einem Wochenende in Shanghai steht ein weiterer Trip an, dann geht es für mehrere Tage zum gelben Berg, einem der berühmtesten Berge Chinas. Den Endspurt an der Expo werde ich dabei zwar verpassen, aber beim Abschluss am 31. Oktober bin ich wieder dabei. 


15.10.2010 Ein paar Zahlen zur Expo

Die Expo dauert nun bereits 168 Tage und nur noch wenige werden folgen. Bisher haben fast 63 Millionen Leute die Expo besucht, was etwa der Bevölkerung Frankreichs entsprechen würde. Trotz dieser immensen Zahl, wird das Ziel von 70 Millionen Besuchern wahrscheinlich knapp verfehlt.

Das durchschnittliche Besucheraufkommen pro Tag liegt bei 377'000 Personen, was in etwa der Einwohnerzahl des Kantons Luzern entspricht. Der bisher Besucherreichste Tag war der 23. September, an dem mehr als 630'000 Besucher gezählt wurden, was gar die Einwohnerzahl des Kantons Aargau übertrifft.

Wirklich erstaunlich wird das ganze, wenn man dazu noch die Fläche betrachtet. Der mit Ticket zugängliche Teil des Expogeländes hat eine Grösse von 3.28 km2, was etwa der Fläche Hunzenschwils entspricht. Täglich drängen sich auf der Expo somit 114'941 Personen pro Quadratkilometer oder anders ausgedrückt, hat jeder Besucher des Expogeländes 8.7 m2  zur Verfügung.

Die Rechnung stimmt leider nicht ganz, da bei den 3.28 km2 ja auch verbaute Flächen miteingerechnet sind. Zusätzlich lässt sich an der Expo sehr gut beobachten, dass Menschen Herdentiere sind und an einem unbekannten Ort dorthin gehen, wo die meisten Leute sind, da es dort ja was aussergewöhnliches geben muss.  drängen sich zwischen dem Schweizer, dem deutschen und dem französischen Pavillon tagtäglich so viele Leute, dass man kaum mehr als 1 m2 Platz zur Verfügung hat, während man im Park gleich hinter dem Schweizer Pavillon minutenlang keinem begegnen kann. (Quellen: www.wikipedia.de, en.expo2010.cn)


08.10.2010 Abwechslung bei der Arbeit

Wie immer machten wir uns  am 5. Novembers mit dem Taxi auf zur Frühschicht, wechselten an der Station Madanglu auf die Expo eigene U-Bahn und fuhren ins Gelände. Dann aber trennte ich mich von meinen Kollegen und ging ein Haus weiter in den deutschen Pavillon, wo ich von allen sehr herzlich empfangen wurde. Im Rahmen eines Austauschs, durfte ich dort einen Tag als Hostesse arbeiten. Sofort fiel mir auf, dass alles eine Nummer grösser ist als im Schweizer Pavillon. Während sich in unserer Umkleide kaum mehr als zwei Leute gleichzeitig aufhalten können, glich jene im deutschen Pavillon einer Turnhallenumkleide und spätestens beim Briefing wurde auch klar wieso: In einer einzigen Schicht arbeiten bereits mehr Hostessen als wir überhaupt Guides haben. 

Ich wurde den ganzen Tag von einem Guide begleitet und konnte mir alle Positionen anschauen. Im deutschen Pavillon gibt es viele Stationen, wo die Besucher selbst tätig werden müssen, ein spezielles Abwasserprojekt in Berlin kann mittels einem Spiel entdeckt werden, die Entwicklung der Grünflächen in Köln lässt sich mittels Handbewegung erforschen, auf einer Rutsche können sich die Kinder austoben und an einem andern Ort kann man deutsche Lieder zum besten Geben. Überall erklärt ein Guide wie vorgegangen werden muss und achtet darauf, dass es zu keinem Durcheinander kommt, weil alle gleichzeitig mitmachen wollen. Der Pavillon ist zwar grösser und es gibt viel mehr Stationen, die Arbeit unterscheidet sich aber nur unwesentlich von unserer. Sowohl im deutschen Pavillon, wie auch im Schweizer Pavillon geht es hauptsächlich darum den Besucherstrom zu überwachen und zu erklären, was der Besucher machen kann. Während es im Schweizer Pavillon zu den Aufgaben der Guides gehört, im Shop zu verkaufen, ist der Shop im deutschen Pavillon dem Restaurant angegliedert. 

Die Arbeit ging, wie bei uns auch, mit einem Debriefing zu Ende. Danach schloss ich mich einer Gruppe Deutscher an, die im Expo Cultural Center Schlittschuhlaufen gingen. Das Eisfeld befindet sich im Untergeschoss eines Einkaufszentrums und war vergleichsweise spärlich bevölkert. 

Es war eine super Erfahrung einmal in einem andern Pavillon zu arbeiten. Ich habe viele neue Leute kennengelernt und es hat mir total Spass gemacht.  


01.10.2010 Mondfest und chinesischer Nationalfeiertag

Im Herbst finden gleich zwei Wichtige Feste in China statt. Während das Mondfestival eine Jahrhundertealte Tradition hat, feiert man am Nationalfeiertag die Gründung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949.

Das Mondfest findet immer am 15. Tag des achten Mondes (chinesischer Kalender) statt, dieses Jahr war dies der 22. September. Es ist der Tag, an dem sich der Mond in der grössten Entfernung zur Erde befindet. Im alten China hat der Kaiser im Frühling die Sonne angebetet und im Herbst den Mond. Dieser Brauch scheint dann auf die Bevölkerung übergeschwappt zu sein. Vor wenigen Jahren wurde das Mondfest zu einem offiziellen Feiertag ernannt, so dass nun die meisten Chinesen einen Tag frei haben. An diesem Tag treffen sie Familienangehörige und der angeblich besonders runde Mond wird betrachtet. Wie immer in China spielt das Essen auch beim Mondfest eine zentrale Rolle. Man verschenkt an alle Verwandten, Bekannten und Geschäftspartner Mondkuchen. Diese sind knapp Handtellergross, kreisrund und gefüllt mit einer sehr mastigen Paste, je nach Ausführung in ganz unterschiedlicher Geschmacksrichtung: rote Bohnen, Mandeln, Kaffee, ... Der einzelne Kuchen kostet zwischen 1 und 2 Franken, ist aber nur Nebensache. Wichtig ist es eine möglichst aussergewöhnliche Box auszuwählen. Mit der Box kosten dann vier Mondkuchen schnell mal 30 Franken, oder auch viel mehr. Da jede Familie so viele Mondkuchen bekommt, dass sie diese schwer alle selbst essen kann, werden die Boxen bis zum Mondfest munter weiterverschenkt. Danach landen wohl viele Mondkuchen ungeöffnet im Abfall, denn der Geschmack sagt vielen Leuten nicht zu. Sie wollen daher nicht bis zum Ende des Jahres Mondkuchen verspeisen.

Heute nun beginnen die Ferien zum Nationalfeiertag. Sie dauern sieben Tage, wobei die Chinesen aber im Voraus ein Wochenende arbeiten mussten, sodass es nur drei volle Ferientage sind. Da der Nationalfeiertag weder mit Familientreffen noch speziellen Traditionen verbunden ist, nutzen ihn die meisten Chinesen um ihr eigenes Land zu erkunden. So befinden sich zu dieser Zeit Millionen von Chinesen auf Reisen. Für uns an der Expo bedeutet dies natürlich sieben Tage Hochbetrieb. Westlichen Touristen wird geraten zu dieser Zeit China zu meiden, oder zumindest nicht zu reisen. 


24.09.2010 Park

Sich selbst überlassene Natur findet man in der Grossstadt Shanghai verständlicherweise nicht. Einzig die Parks, welche ein wichtiger Teil jedes Stadtviertels sind, bieten grössere Grünflächen. Diese werden selbstverständlich von gross und klein rege genutzt, sodass ich bei meiner wöchentlichen Joggingrunde niemals alleine bin.

Schon frühmorgens kann man ältere Leute bei ihren Tai Chi Übungen beobachten, die sie entweder alleine oder in Gruppen vorführen. Ebenfalls beliebt als körperliche Ertüchtigung ist das Rückwärtsgehen oder sogar rückwärts joggen. Daneben kann man auch ältere Leute beobachten, welche während dem Spazieren Dehnübungen durchführen oder sich abklopfen.

Unter der Woche gehört der Park tagsüber weitgehend den älteren Leuten. Sie finden sich ein um zusammen zu Tanzen oder Karten zu Spielen oder einfach um zusammenzusitzen. Einige bringen auch ihre kleinen Grosskinder mit, die im Park endlich mal frei herumrennen können.

Gegen Abend oder am Wochenende füllt sich der Park mit Ausflüglern und Sportlern. Es wird Federball gespielt und Jugendliche üben Choreographien zu Popsongs. Auf der grossen Wiese findet man Leute welche ihre Drachen steigen lassen, die in der Nacht sogar leuchten und die Gehwege sind belegt von Familien auf ihrem Spaziergang. Begibt man sich auf etwas kleinere Wege, so ist jede Parkbank von jungen Paaren belegt, welche den Park als romantischen Treffpunkt ausgesucht haben.

Anders als unsere Wälder, ist so ein Park keinerlei Oase der Ruhe. Ein bisschen Grün braucht man aber ab und zu und dafür sind die Shanghaier Parks gar keine schlechte Wahl. 


17.09.2010 Unterwegs in der Nachbarschaft

Auch wenn Shanghai, verglichen mit dem restlichen China ziemlich westlich geprägt ist, sind die Unterschiede im Alltag doch gewaltig. Im folgenden nur einige Unterschiede, welche mir gestern beim erkunden der Nachbarschaft mal wieder aufgefallen sind.

Um etwas schneller voranzukommen greife ich oft auf das Kickboard zurück, welches ich als Werbegeschenk erhalten habe. Da Kickboards in China als Fortbewegungsmittel nicht üblich sind, errege ich damit ziemlich viel Aufsehen und die meisten Leute starren mir ungeniert nach. Ausserhalb Shanghais muss man sich daran schnellstmöglich gewöhnen, da man als Ausländer alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, in Shanghai ist dies zum Glück nicht ganz so extrem.

Das Kickboard hilft mir auch dabei gefährliche Strassenkreuzungen etwas schneller zu überqueren. In China sollte man niemals einer Ampel trauen, denn Fahrräder und Mofas achten nie darauf und auch Autos ignorieren sie regelmässig. Es wird wild überholt und gedrängelt, sodass aus einer sechsspurigen Strasse, schnell mal eine achtspurige wird. Und gerne verschafft man sich mit der Hupe gehör, auch wenn es nichts bringt. Obwohl dies alles sehr gefährlich klingt und ich bereits einige beinahe Zusammenpralls erlebt habe, habe ich noch kaum Unfälle gesehen.

Drossle ich mein Tempo ein wenig, kann ich gemütlich die Nachbarschaft betrachten. Überall entdeckt man Wäsche, welche nach draussen gehängt wird, vor das Fenster, oder auch einfach auf dem Gehsteig zwischen zwei Bäume. In ruhigen Strassen sieht man immer wieder alte Leute, welche zusammensitzen, sich unterhalten oder Karten spielen. Dies wirkt alles sehr gemütlich. Nur wenn man ein würgendes Geräusch vernimmt, sollte man schnellstmöglich einige Schritte abstand nehmen. Jemand reinigt dann nämlich grad seine Luftröhre von Schleim, welchen er danach ungeniert auf die Strasse spuckt, egal ob grad jemand im Weg steht.

Begibt man sich danach zurück auf eine grosse Strasse ist es mit der Ruhe vorbei und alles ist wieder, wie in einer beliebigen Grossstadt.


10.09.2010 Shanghai bei Nacht

Abends den Bund runterspazieren und die beleuchteten Gebäude auf beiden Seiten des Huangpu Flusses zu bestaunen, dies darf man auf keinen Fall verpassen. Aufgepasst aber, man sollte diesen Spaziergang wenn möglich vor 23 Uhr machen, da danach jegliche Gebäudebeleuchtung in Shanghai ausgeschalten wird. Damit folgt Shanghai dem Rhythmus seiner Einwohner, die zum grossen Teil Frühaufsteher sind und um diese Zeit bereits friedlich schlafen. Ganz anders die westlichen Touristen und Expats, die scheinen um diese Zeit erst richtig zu erwachen. Nie trifft man verhältnismässig so viele Ausländer auf Shanghais Strassen an wie Nachts! Noch viel extremer wird das Bild, wenn man eine der bekannten Bars in Shanghai betritt, dann befindet man sich plötzlich fast ausschliesslich unter seinesgleichen, je teurer die Adresse, umso extremer der Gegensatz zum Alltag. Auch in den Discos, welche zumeist bis Sonnenaufgang geöffnet haben, ergibt sich meist ein ähnliches Bild. Die Chinesen zieht es für den Ausgang eben nicht in Bars oder Discos, sondern zum Karaoke. Dabei mietet man mit seinen Freunden in einem der zahlreichen KTV’s einen Raum, wo man in privatem Rahmen aus voller Kehle singen kann. 



Aber egal ob Bar, Disco oder KTV auf Shanghais Strassen trifft man sich wieder auf einen späten Snack. Nach einer durchgetanzten Nacht gibt es nichts Besseres als einen frischen, heissen Spiess vom Grill. Ab 22:00 Uhr werden die Grillstände aufgebaut. Die Auswahl ist meist gewaltig und reicht von einfachen Fleischspiessen über Gemüse und Pilze bis zu Meeresfrüchten. 


3.9.2010 Bessere Stadt, besseres Leben

Was ist besseres Leben? Diese Frage im neuseeländischen Pavillon machte mich nachdenklich, und es wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie philosophisch das Expothema, „bessere Stadt, besseres Leben,“ eigentlich ist. Praktisch alle Pavillons haben das Thema ganz pragmatisch umgesetzt und zeigen, wie man die Städte verbessern könnte, damit auch das Leben der Leute besser wird.

Bedeuten bessere Städte, wirklich ein besseres Leben? Was sind überhaupt bessere Städte? Auf diese Frage findet man zahlreiche, ganz unterschiedliche Antworten in den Pavillons. Bessere Städte sollten grüner sein, die Bevölkerung sollte bei der Gestaltung mitsprechen können, jeder sollte ein Dach über dem Kopf haben usw. Es wird auch darauf eingegangen, dass jeder Mensch andere Bedürfnisse, andere Wünsche hat.

Aber was macht unser Leben nun wirklich besser? Sind es wirklich jene Veränderungen, die das Leben vieler Menschen besser machen sollen? Ein besseres Transportsystem, mehr Pärke, mehr Kinderkrippen, Veränderungen, die meist lange versprochen werden und dann nur langsam kommen. Ich glaube viel mehr, die Politik sollte den Rahmen bieten, damit wir unser Leben selbst verbessern können, unsere eigenen Träume verwirklichen können, sei dies ein Geschäft zu eröffnen, ein Restaurant zu führen, eine Weltreise zu unternehmen oder auch einfach irgendwo einen Baum zu pflanzen. Ich bin der festen Überzeugung, es sind die kleinen Dinge, die wir selbst verändern, die uns das Gefühl eines besseren Lebens geben. 


27.8.2010 Chinesisch

Spricht man von Chinesisch, so meint man zumeist Hochchinesisch, auch bekannt unter dem Namen Mandarin. Mandarin entstand aus dem Pekinger Dialekt und ist daher nahe verwandt mit den nordchinesischen Dialekten. Neben Mandarin gibt es in China zahlreiche andere Dialekte, in Shanghai wird Wu gesprochen, in Kanton, wo ich Mandarin lernte, Kantonesisch. Diese Dialekte unterscheiden sich ähnlich stark, wie in Europa unterschiedliche Sprachen gleicher Sprachfamilien. Ein Shanghaier und ein Kantones können sich folglich nur unterhalten, wenn sie beide des Mandarins mächtig sind. Dank der chinesischen Schrift ist eine Verständigung aber auch möglich, falls sie der Hochsprache nicht mächtig sind.

Die Ursprünge der chinesischen Schrift liegen mehr als 3000 Jahre zurück. Seither hat sich die Schrift immer wieder verändert und wurde durch neue Zeichen ergänzt. Heute gibt es über 50'000 verschiedene Schriftzeichen. Wer eine Zeitung lesen will, muss zwischen 3000 und 5000 Zeichen beherrschen. Mit einem Wortschatz von 1500 bis 2000 Zeichen gilt man nicht mehr als Analphabet. Ich selbst bin mit meinen gut 500 Zeichen davon leider noch weit entfernt.

Das Erlernen der Zeichen ist aufwendig und zum Erlernen die Aussprache muss die lateinische Umschrift Pinyin herangezogen werden, die auch für die Eingabe in den Computer verwendet wird. Trotzdem wäre es niemals möglich die chinesische Schrift durch lateinische Buchstaben zu ersetzen, da es sonst zu grossen Missverständnissen kommen könnte. Im gesprochenen Chinesisch gibt es nämlich vergleichsweise wenige Silben. Die Anzahl wird etwas vergrössert dadurch, dass jede Silbe in 4 verschiedenen Tonlagen ausgesprochen werden kann. Es ist aber so, dass eine gleich ausgesprochene Silbe je nach Gesprächsinhalt ganz unterschiedliche Dinge bedeuten kann und dann auch anders geschrieben wird. 


19.8.2010 Einkaufen

Neben der Arbeit und den Besuchen an der Expo habe ich an meinen freien Tagen die Stadt erkundet. Während Shanghai im Vergleich zu Beijing oder Xian kulturell eher wenig zu bieten hat, sticht es dafür bei den Einkaufsmöglichkeiten um so mehr hervor. Hier findet man alles, was das Herz begehrt, fast jegliche westliche Marke, günstige Schneider, aber auch preiswerte chinesische Produkte oder gefälschte Ware. Die Fälschungen reichen dabei von den uns bekannten Taschen, Kleidern und Schuhen, über DVDs und Elektronikprodukte, bis zu englischen Büchern. Die Entdeckung der englischen Bücher hat mich so erstaunt, dass ich nicht umhin konnte eines zu kaufen.

Die Öffnungszeiten richten sich hier ganz nach den Kunden. Die Läden sind sieben Tage die Woche offen und schliessen abends oft erst nach 22:00. Vor allem Lebensmittelläden, aber auch Mc Donalds bleiben 24 Stunden durchgehend geöffnet.

Neben den grossen Shoppingcentern und den bekannten Einkaufsstrassen Nanjing Road und Huaihai Road konnten sich auch einige Märkte behaupten. Der Dong Tai Road Antique Market ist vor allem auf Touristen ausgerichtet. Es werden echte Antiquitäten, aber auch Nachbildungen und Souvenirs verkauft.

Gleich neben dem Dong Tai Road Antique Market befindet sich ein Blumen und Haustiermarkt, der vollständig auf die Bedürfnisse Einheimischer ausgerichtet ist. Hauptsächlich lassen sich dort Käfer und Vögel kaufen, daneben finden sich aber auch alle in Europa üblichen Haustiere und einige Exoten wie Streifenhörnchen und Eichhörnchen. Die Tiere wirken leider alle ziemlich verstört, da sie in viel zu kleinen Käfigen eingesperrt sind und sich kaum bewegen können.

Am meisten beeindruckt hat mich aber ein ganz anderer Markt, auf den ich mehr zufällig gestossen bin: Der Heiratsmarkt am Sonntagnachmittag im Peoples Park. Die Heiratswilligen Personen werden mittels eines, meist handgeschriebenen Zettels,  ähnlich einer Kontaktanzeige, vorgestellt. Kunden dieses Marktes sind aber nicht etwa die Heiratswilligen selbst, sondern Eltern und Grosseltern, welche für den Sprössling zwischen 30 und 40 endlich einen Partner suchen. 


12.8.2010 verschiedene Pavillons

vertikaler Garten im französischen Pavillon

In den letzten knapp vier Wochen habe ich bereits vier Kontinente und 19 Länder besucht, zählt man die besuchten Städte dazu, würde die Zahl der besuchten Länder sogar noch weiter anwachsen. Eine solch beeindruckende Reise ist mit Sicherheit einzig hier in Shanghai möglich. Wo sonst kann man in wenigen Minuten von Thailand über Australien nach Finnland spazieren?

Am meisten beeindruckt bin ich bisher von der Aussenarchitektur der Pavillons, darum empfehle ich jedem der die Expo für mehrer Tage besucht, sich einen Tag Zeit zu nehmen um die Pavillons von aussen zu bestaunen. Viele Länder haben in der Konstruktion ganz neue Wege eingeschlagen. Die Materialien reichen von Beton, über Holz und Metall, bis Plastik. Dem Expo Thema, Better City – Better Life entsprechend, ist auch die Pflanzenwelt reich vertreten. Dies nicht nur auf dem Dach des Schweizer Pavillons, wo eine Blumenwiese wächst, sondern auch im vertikalen Garten des französischen Pavillons, wo Hecken entlang der Fassade des Innenhofs nach oben verlaufen.

Auch der britische Pavillon, obwohl grau in grau gehalten, stellt die Vegetation ins Zentrum. In jeden einzelnen Stachel des Igels ist ein Same einer Pflanze eingelassen.  Diese lassen sich im Innern des Pavillons bestaunen.

Jeder Pavillon hat das Expo Thema Better City, Better Life auf seine Weise umgesetzt. Es werden neue Lebensansätze für Städte präsentiert, neue Technologien vorgeführt und die Wichtigkeit der Balance zwischen Stadt und Land betont. Während einige Pavillons sich vollumfänglich dem Thema gewidmet haben, setzen andere viel mehr auf Werbung für ihr Land. So zum Beispiel Thailand, das in mehreren Filmen für sein Land als Feriendestination wirbt und seine gute Beziehung zu China betont, während das Expothema eher etwas kurz kommt. Thailand bietet das, was mir in andern Pavillons ein bisschen gefehlt hat, Informationen über das Land, präsentiert auf unterhaltsame Weise. 


5.8.2010 Die Aufgaben als Guide

Es erscheint mir unglaublich, dass ich noch keine drei Wochen in China bin. An vieles habe ich mich so schnell gewöhnt, als wäre ich nie zurück in der Schweiz gewesen. Bereits überquere ich die Strasse wieder wie eine Chinesin,  Spur um Spur wage ich mich vorwärts ohne Rücksicht auf Autos auf Ampeln. Auch die vielen Leute machen mir normalerweise keinerlei Probleme. Nur wenn die Temperaturen gegen 40 Grad steigen, wie die letzten Tage, kann es ein bisschen unangenehm werden.

Mehr und mehr gewöhne ich mich nun auch an meinen Arbeitsalltag. Der Pavillon ist von 9:30 bis 22:30 geöffnet. Hier im Schweizer Pavillon arbeiten wir in drei Schichten. In jeder Schicht wechseln wir mehrmals die Position. Ich stehe entweder an einem der beiden Eingänge, Haupt- und VIP-Eingang, in der Ausstellung, bei der Warteschlange für den Sessellift oder im Shop, auch Führungen gehören zu den Aufgaben der Guides. Die erste Woche erhielten wir eine theoretische Einführung. Letzte Woche stand uns auf den Positionen jeweils ein erfahrener Guide zur Seite, seit dem 1. August befinden wir uns nun alleine auf den Positionen.

Die Arbeit gefällt mir ausgezeichnet und die Kollegen sind alle sehr nett.  Ich bin sehr erleichtert, dass mein Chinesisch für die üblichen Fragen der Besucher ausreicht. Für die chinesischen Besucher ist der Sessellift das absolute Highlight unseres Pavillons und so fragen sie hauptsächlich nach dem Weg dorthin. Auch werde ich oft danach gefragt wo der Stempel sei. Dazu muss man wissen, dass man einen Expopass erwerben kann und dann in jedem besuchten Pavillon abstempeln kann. Ich habe mir ebenfalls einen solchen Pass besorgt, einerseits als Erinnerung, andererseits, damit ich nicht vergesse, was ich bereits gesehen habe. Die Stempel sind schon recht zahlreich. Mehr von den Besuchen dann nächste Woche. 



30.7.2010 Chinesische Küche

Als Schweizer denkt man bei chinesischem Essen sogleich an Frühlingsrollen und Poulet süss-sauer. Dies ändert sich aber, sobald man China besucht hat. Denn zwar ist Poulet das meist verzehrte Fleisch hier, aber süss-sauer wird man es kaum finden.

Es gibt nicht nur eine chinesische Küche sondern zahlreiche ganz unterschiedliche Regionalküchen. Der Geschmack reicht von mild bis brennend scharf, von sauer bis süsslich. Hier in der Region Shanghai wird mild gegessen, genauso wie in Guangdong (Kanton), wo ich mein Austauschjahr verbrachte. Sehr scharf wird es vor allem in Sichuan und Hunan.

Im unserem Viertel gibt es so viele kleine Restaurants mit unterschiedlichen Regionalküchen, dass ich wahrscheinlich während der drei Monate nie den Kochlöffel schwingen werde, denn es ist nicht nur aufwendiger als sich schnell in ein Restaurant zu setzen sondern auch teurer selbst zu kochen. Zum Frühstück besorge ich mir meist ein, zwei Baozi an einem Stand um die Ecke. Baozi sind im Bambuskorb gedämpfte, unten abgeflachte Teigballen, welche mit Fleisch oder Gemüse gefüllt sind. Muss ich erst nachmittags arbeiten, dann bietet sich ein kleines Nudelrestaurant an, welches sich auch nur wenige Schritte von unserem Block befindet. Die Nudelsuppe, welche in zahlreichen Variationen serviert wird, macht für weniger als 2 Franken satt. Am meisten geniesse ich hier aber grosse Abendessen mit zahlreichen Freunden. Je mehr Leute dabei sind, desto grösser wird die Auswahl, da die Gerichte, für alle zugänglich auf einer drehbaren Platte in der Mitte des Tisches plaziert werden. 



23.7.2010 Ankunft in Shanghai

Seit vier Tagen bin ich nun in der Megametropole Shanghai. Am Montag bin ich auf dem Flughafen Pudong angekommen. Von da habe ich den angeblich schnellsten Zug der Welt genommen, die Magnetschwebebahn Maglev. Leider fuhr der Zug aber nur 300 km/h, was auch ein neuer ICE auf geeigneten Strecken erreichen kann. Von da konnte ich bereits einen ersten Blick auf Shanghai werfen und hatte dabei zum ersten Mal freien Blick auf die Wolkenkratzer von Pudong. Als ich nämlich über Weihnachten 2007 in Shanghai war, regnete es so stark, dass wir die Wolkenkratzer nicht bewundern konnten. Da der Maglev nicht bis in das Stadtzentrum führt, stieg ich danach in die U-Bahn um. Von der U-Bahnstation waren es dann nur noch wenige 100 Meter bis zu unserer Wohnung. Dort kam ich aber, wegen der Feuchtigkeit trotzdem total verschwitzt an, sodass ich zuallererst eine kalte Dusche genoss, was ich seither mehrmals täglich tue. 
In den letzten Tagen schlug ich mich noch ein bisschen mit dem Jetlag herum und habe daher zumeist den Morgen verschlafen. Dies spielte aber kaum eine Rolle, da wir meist am Nachmittag Programm hatten. Bisher komme ich hier recht gut zurecht. Ich bin aber extrem froh um die Erfahrungen, die ich bereits in China sammeln konnte. Ohne wäre es um einiges schwieriger im chinesischen Alltag klarzukommen. Im Moment ist aber noch alles neu, bis ich mich richtig eingelebt habe, werden noch einige Wochen vergehen. 






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